Die Implementationsforschung widmet sich der Frage, wie sich Krankheiten am besten bekämpfen lassen. Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) wird dies zukünftig für tropische Infektionskrankheiten wie Malaria und Ebola unter den Gegebenheiten ressourcenarmer Länder untersuchen. Disziplinen wie e-Health, Gesundheitsökonomie oder moderne Wege der Gesundheitskommunikation sollen dazu beitragen, Bekämpfungsmaßnahmen effektiver durchführen zu können und die Gesundheitssysteme nachhaltig zu stärken. Ab Januar 2020 baut das BNITM dafür einen neuen Forschungsbereich auf. Bund, Länder und die Stadt Hamburg unterstützen das Vorhaben mit insgesamt über 8 Millionen Euro bis 2022.
Obwohl für viele Infektionen äußerst wirksame Medikamente oder Impfungen zur Verfügung stehen, sind Krankheiten immer noch Geißeln der Menschheit. Weshalb scheitern an sich wirksame Bekämpfungsmaßnahmen? Wie lassen sich die Krankheiten besser kontrollieren und im besten Fall auslöschen? Um diese Fragen zu beantworten, wird das BNITM einen großen interdisziplinären Forschungsschwerpunkt „Implementationsforschung tropischer Infektionen" etablieren. In Kooperation mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) sowie anderen nationalen und internationalen Partnern soll der neue Forschungszweig in Hamburg einen bedeutenden Beitrag zur Elimination armutsbedingter Infektionskrankheiten weltweit leisten.
Katharina Fegebank, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung: „Das BNITM ist eines der weltweit renommiertesten Institute auf dem Gebiet tropentypischer Erkrankungen und Infektionskrankheiten. Seine herausragende wissenschaftliche Arbeit, wie sie zuletzt in Zusammenhang mit der Ebola-Epidemie in Westafrika gewürdigt wurde, geht künftig noch einen Schritt weiter: Nicht nur die Krankheitserreger sollen erforscht werden, sondern auch, wie man sie in den betroffenen Regionen bekämpft. Das ist ein bedeutender Gewinn für die exzellente medizinische Forschung in Hamburg, allem voran aber ein wichtiger Beitrag für die Gesundheit von Menschen weltweit.“
Prof. Dr. Egbert Tannich, Vorstandsvorsitzender des BNITM: „Das Institut ist dankbar für das entgegengebrachte Vertrauen. Es ermöglicht uns, unsere spezifische Expertise einzubringen, um auf Basis etablierter Partnerschaften in den südlichen Ländern neue Aufgaben in der Bekämpfung und Kontrolle armutsbedingter Infektionskrankheiten zu übernehmen.“
Prof. Dr. Jürgen May, Leiter der Abteilung Infektionsepidemiologie des BNITM: „Die neue Sektion wird in Deutschland ein neues Forschungsfeld eröffnen. Die WHO misst dieser Forschung entscheidende Bedeutung für die Bekämpfung von Infektionskrankheiten auch unter schwierigen Bedingungen bei."
Über Implementationsforschung
Für viele tropische Infektionskrankheiten gibt es bereits Impfstoffe, Medikamente oder andere Möglichkeiten der Bekämpfung. Trotzdem erreichen diese oft nicht die betroffenen Menschen bzw. reduzieren die Zahl von Erkrankungen oder Todesfällen nicht effektiv. Die Gründe für das Versagen von Bekämpfungsmaßnahmen unter realen Bedingungen sind komplex und meist unverstanden. Diesen Fragen widmet sich eine relativ junge Disziplin, die Implementationsforschung. Sie wird als Schlüssel zur Entwicklung und Umsetzung wirksamer Bekämpfungsstrategien angesehen. Je mehr Möglichkeiten es zur Bekämpfung armutsbedingter Krankheiten gibt, umso mehr gewinnt diese Forschungsrichtung an Bedeutung.
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