Forschende untersuchen Therapien bei lebensbedrohlichem Kreislaufschock

Ein Kreislaufschock infolge schwerer Infektionen, großflächiger Verbrennungen, traumatischer Verletzungen oder chirurgischer Eingriffe zählt zu den herausforderndsten Aufgaben in der Intensivmedizin. Trotz erheblicher Fortschritte in der medizinischen Versorgung verläuft die Erkrankung bei vielen Patient*innen schwer und ist mit einem hohen Sterberisiko verbunden.

Forschende aus Deutschland, Polen und der Ukraine nehmen jetzt den neuartigen Antikörper „Invobenitug“ als gezielte Therapie bei kardiogenem, septischem, Verbrennungs- und traumatischem Schock in den Blick. Beteiligt an dem Konsortium sind Prof. Dr. Tanja Zeller und Prof. Dr. Anja M. Boos von der Universität zu Lübeck und vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck. Die Leitung des Projekts liegt bei der Klinik für Intensivmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

Wichtiger Treiber

Es soll mithilfe eines schnellen Tests direkt am Krankenbett früh erkannt werden, wer erhöhte Werte des Enzyms DPP3 aufweist und daher besonders von einer Antikörper-Behandlung profitieren könnte. Das Enzym gilt als wichtiger molekularer Treiber beim Fortschreiten schwerer Schockzustände. „Invobenitug“ wiederum wurde entwickelt, um DPP3 im Blut gezielt zu neutralisieren.

Untersucht wird, ob der Antikörper die Herz-Kreislauf-Funktion stabilisiert und so den Bedarf an kreislaufunterstützenden Maßnahmen reduziert und Organversagen verringert.

Die Europäische Union fördert die internationale, klinische Studie CURE-SHOCK innerhalb von Horizon Europe über vier Jahre mit insgesamt rund 7,9 Millionen Euro, davon geht 1 Million Euro an das UKSH.

Die Beteiligten des UKSH und der Universität zu Lübeck übernehmen zwei Rollen im Konsortium. Die Forscherinnen tragen wesentlich zur Rekrutierung von Teilnehmenden für die klinische Studie bei, insbesondere für den Verbrennungsschock. Darüber hinaus leiten sie den Aufbau der umfassenden Bioressource innerhalb des Konsortiums, in die Bioproben der Patient*innen sowie klinische Daten für weiterführende translationalen Begleitstudien überführt werden.

Die Projektleiterinnen sind zudem für das translationale Begleitprojekt verantwortlich, in dem der Zusammenhang zwischen molekularen Veränderungen und dem klinischen Ansprechen auf die Therapie untersucht wird („Trial-in-a-Dish“). Hierfür werden Zell- und Gewebeorganoid-Modelle von Herz, Niere, Leber, Lunge und Gehirn genutzt, um die Wirkung von Invobenitug parallel zur klinischen Studie auf molekularer Ebene zu untersuchen.

„CURE-SHOCK verbindet klinische Forschung mit innovativen molekularen Methoden und schafft damit eine Brücke zwischen Patient*innenversorgung und Grundlagenwissenschaft. Die im Projekt entstehenden Daten und Bioressourcen schaffen wichtige Voraussetzungen, um die Mechanismen des Kreislaufschocks besser zu verstehen und den Weg für zukünftige zielgerichtete Therapieansätze zu ebnen“, sagt Prof. Zeller, Direktorin des Instituts für Kardiogenetik.

„Wir freuen uns sehr, dass das UKSH und die Universität zu Lübeck Teil dieser herausragenden europäischen Zusammenarbeit sind. Insbesondere der Verbrennungsschock zählt zu den größten Herausforderungen in der Intensivmedizin und ist weiterhin mit einer hohen Sterblichkeit und schweren Folgekomplikationen verbunden“, sagt Prof. Boos, Direktorin der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie – Handchirurgie und Schwerbrandverletztenzentrum. Gerade in der Versorgung schwerbrandverletzter Patientinnen und Patienten sei die Evidenzlage für viele therapeutische Entscheidungen nach wie vor begrenzt. CURE-SHOCK vereine klinische Forschung und innovative Therapieansätze, um eine bislang ungedeckte medizinische Versorgungslücke zu schließen.

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