Forschungskonsortium PreciseOnco: Philips ist Koordinator

14,9 Millionen Euro Fördermittel zur Entwicklung präziser und minimalinvasiver Krebsbehandlung

Philips ist Projektkoordinator des von der EU-Initiative „Innovative Health Initiative“ (IHI) kofinanzierten Forschungskonsortiums, in dem moderne medizinische Bildgebung, robotergestützte Führungstechnologien und KI kombiniert wird, um die Präzision minimalinvasiver Krebsbehandlungen zu standardisieren und so das Behandlungsergebnis der Patientinnen und Patienten zu verbessern

Das PreciseOnco-Konsortium hat sich zum Ziel gesetzt, eine Reihe integrierter Technologien zu entwickeln, die den nächsten Sprung in der präzisen Krebsbehandlung ermöglichen sollen. (Bild: Philips)
Das PreciseOnco-Konsortium hat sich zum Ziel gesetzt, eine Reihe integrierter Technologien zu entwickeln, die den nächsten Sprung in der präzisen Krebsbehandlung ermöglichen sollen. (Bild: Philips)

Philips gab kürzlich bekannt, dass das von Philips koordinierte PreciseOnco-Konsortium Fördermittel aus der IHI der EU erhalten hat, um die personalisierte Krebsbehandlung durch die Integration von fortschrittlicher medizinischer Bildgebung, Roboterunterstützung und minimalinvasiven Therapien voranzutreiben.Die öffentlichen Mittel in Höhe von 14,9 Millionen Euro werden durch Sachleistungen in Höhe von 9 Millionen Euro und zusätzlichen Beiträgen von Industriepartnern ergänzt, wodurch ein fünfjähriges Forschungs- und Innovationsprogramm unterstützt wird, das u.a.  auch fünf klinische Studien umfasst.

„Intelligente Bildgebung und robotergestützte Präzision eröffnen neue Möglichkeiten für die minimalinvasive Krebsbehandlung“, sagte Bert van Meurs, Chief Business Leader für bildgestützte Therapie bei Royal Philips. „Durch die Kombination von spektraler Bildgebung, KI-gestützter Software und robotergestützter Führung entwickeln wir neue Lösungen, die Ärzten helfen, Krebs präziser, sicherer und schneller zu behandeln. Dies führt zu besseren Therapie-Ergebnissen für die Patienten und einer effizienteren Nutzung der Krankenhausressourcen. Die PreciseOnco-Partnerschaft kombiniert Technologie, klinisches Fachwissen und Patientenperspektiven, um die Krebsbehandlung zu verbessern.“

Innovation durch öffentlich-private Partnerschaft

Die öffentlich-private Partnerschaft PreciseOnco vereint Experten aus Industrie, Forschungseinrichtungen, medizinischen Gesellschaften und führenden europäischen Krankenhäusern.

  • Industriepartner: Philips, Quantum Surgical und IGEA
  • Forschungseinrichtung: Europäisches Institut für biomedizinische Bildgebung (EIBIR)
  • Medizinische Gesellschaft: Europäische Gesellschaft für kardiovaskuläre und interventionelle Radiologie (CIRSE)
  • Akademische Partner: Universitätsklinikum Köln (Uniklinik Köln) in Deutschland, Universitätsklinikum Utrecht (UMCU) und Universitätsklinikum Leiden (LUMC) in den Niederlanden sowie zwei große Universitätskliniknetzwerke in Frankreich: Assistance Publique–Hôpitaux de Paris (APHP; Hôpital Henri-Mondor) und Hospices Civils de Lyon (HCL)

Durch die Bündelung der führenden klinischen Expertise und der Innovationskraft der Industrie in Europa will PreciseOnco neue Maßstäbe für Präzision, Sicherheit und Effizienz in der minimalinvasiven Krebsbehandlung setzen.

Die steigende Krebsbelastung und der Bedarf an präzisen Behandlungen

Krebs ist nach wie vor eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen. Jedes Jahr werden in Europa etwa 2,7 Millionen Neuerkrankungen registriert, und Prognosen gehen davon aus, dass es bis 2050 weltweit über 35 Millionen neue Krebsfälle geben wird, was einem Anstieg von 77 % gegenüber 2022 entspricht. Als Reaktion auf diese wachsende Herausforderung hat sich die interventionelle Onkologie zu einem sich rasch entwickelnden Fachgebiet ausgebildet, das medizinische Bildgebung, Onkologie und minimalinvasive Behandlungsansätze integriert. Solche Behandlungen – darunter gezielte Ablation, Radioembolisation und Elektrochemotherapie zur gezielten Zerstörung von erkranktem Gewebe – bieten gegenüber herkömmlichen Operationen Vorteile wie kürzere Genesungszeiten und weniger Nebenwirkungen. Ihre Wirksamkeit hängt jedoch stark von der Leistungsfähigkeit der medizinischen Bildgebung und der Präzision ab, mit der Ärzte Instrumente zu Tumoren führen können.

Fortschrittliche Technologie im Interventionsraum

Das PreciseOnco-Konsortium hat sich zum Ziel gesetzt, eine Reihe integrierter Technologien zu entwickeln, die den nächsten Sprung in der präzisen Krebsbehandlung ermöglichen sollen. Im Mittelpunkt des Forschungs- und Innovationsprogramms steht die Spectral Computertomografie, eine verbesserte Form des CT-Verfahrens und der Kegelstrahl-CT, die wesentlich reichhaltigere Informationen über die Gewebezusammensetzung erfasst als herkömmliche Bildgebung und eine zuverlässigere Unterscheidung zwischen Tumor, Gefäßen und gesundem Gewebe ermöglicht. Durch die Analyse von Röntgenstrahlen der CT-Bildgebung mit unterschiedlichen Energieniveaus ermöglicht die spektrale Bildgebung Ärzten eine klarere Darstellung der zu behandelnden Gewebe.

Als Ergänzung zu dieser fortschrittlichen Bildgebungstechnologie wird PreciseOnco robotergestützte Führungssysteme integrieren, die Echtzeit-Bilddaten nutzen, um interventionelle Instrumente (eine oder mehrere Nadeln) mit einer Genauigkeit im Submillimeterbereich zu führen. Das Konsortium wird sich auch mit der Weiterentwicklung der Elektrochemotherapie befassen, einer minimalinvasiven Technik, die lokal verabreichte elektrische Impulse mit Chemotherapie kombiniert. Krebsgewebe wird selektiv behandelt, mit dem Ziel, die Tumorkontrolle zu maximieren und gleichzeitig das umliegende gesunde Gewebe und den Gesamtorganismus vor Nebenwirkungen der Chemotherapie zu schützen.

Entscheidend ist, dass alle eingesetzten Technologien durch KI-Algorithmen unterstützt werden, die darauf ausgelegt sind, die Bildqualität zu verbessern, die Strahlendosis zu reduzieren, fortschrittliche Visualisierungssoftware zu optimieren und in Echtzeit Feedback zum Behandlungserfolg während des Eingriffs zu liefern. So können Ärzte noch vor Verlassen des Operationssaals den Patienten bestätigen, dass die Tumore vollständig behandelt wurden.

Klinische Studien

Das Projekt gliedert sich in mehrere Arbeitspakete, die die Entwicklung der Spektralbildgebungstechnologie, die KI-basierte Bildverarbeitung, die Integration robotergestützter Führung, die multizentrische klinische Validierung und die gesundheitsökonomische Bewertung umfassen. PreciseOnco wird fünf klinische Studien durchführen, die mehrere Krebsarten und interventionelle Arbeitsabläufe umfassen, um eine robuste Validierung in realen klinischen Umgebungen sicherzustellen:

  • VISTA (Virtual Spectral Imaging for Superior Thermal Ablation Guidance): Bewertung der Spektralbildgebung zur Verbesserung von Leber- und Nierenablationsverfahren sowie der Radioembolisation der Leber.
  • SPOT ON (Spectral Angiography-Computed Tomography to Optimize Percutaneous Tumor Ablation): Bewertung der spektralen CT zur Verbesserung der Tumorzielung und Behandlungsplanung.
  • HORA EST HCC 2: Kombination von thermischer Ablation und transarterieller Chemoembolisation (TACE) in einer einzigen Sitzung zur Verbesserung der Behandlung von Leberzellkarzinomen.
  • SPECTRA-L (Spectral Performance Evaluation of a CT-Equipped Therapeutic Radiology Angio Suite in Liver): Testen der spektralen Bildgebung für transarterielle Chemoembolisierungsverfahren (TACE).
  • LASER (Locoregional therApies Spectral Evaluation of Responses): Entwicklung von Bildgebungs-Biomarkern zur Vorhersage des Behandlungserfolgs bei verschiedenen Krebsarten und interventionellen Techniken.

Zusammen werden diese Studien Belege liefern, die die Einführung der spektralen Bildgebung und der robotergestützten Führung in europäischen Krebszentren unterstützen und damit einer größeren Patientengruppe den Zugang zu fortschrittlichen minimal-invasiven Behandlungen ermöglichen.

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