Europäische Forschungspolitik im Fokus bei DESY
Wie kann Europa seine wissenschaftliche Stärke in Innovation und wirtschaftliche Wertschöpfung übersetzen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Besuchs von Joanna Drake bei DESY und European XFEL am 16. September. Die stellvertretende Generaldirektorin der Europäischen Kommission für Forschung und Innovation informierte sich auf dem DESY-Campus über Forschungsinfrastrukturen, Technologietransfer und europäische Kooperationen.
Nach einem Überblick über die Forschungsaktivitäten von DESY und European XFEL sowie die Entwicklung der Science City Hamburg Bahrenfeld diskutierte Drake mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Verwaltung über aktuelle Themen der europäischen Forschungspolitik. Dabei ging es um die Bedeutung der Grundlagenforschung ebenso wie um technologische Souveränität, Innovation und die Frage, wie sich wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Anwendung bringen lassen.
Rolf Greve, Senatsdirektor der Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung der Freien und Hansestadt Hamburg, betonte die Bedeutung nationaler und internationaler Partnerschaften. Besonders wichtig seien starke europäische Netzwerke, die Wissenschaft und Wirtschaft miteinander verbinden. Als Stärke Hamburgs hob er das enge Zusammenspiel von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung hervor.
Wie solche Netzwerke und Forschungsinfrastrukturen zur europäischen Forschungslandschaft beitragen, wurde anschließend am Beispiel von DESY deutlich. Beate Heinemann, Vorsitzende des DESY-Direktoriums, stellte unter anderem das Zukunftsprojekt PETRA IV, europäische Kooperationen und die League of European Accelerator-based Photon Sources (LEAPS) vor. Auch die Verbindung von Forschung, Technologieentwicklung und Transfer war ein Thema.
„Europa verfügt über herausragende Forschungsinfrastrukturen und wissenschaftliche Expertise. DESY ist dafür ein tolles Beispiel: Wir verbinden Spitzenforschung, große Forschungsinfrastrukturen und europäische Kooperationen. Der Besuch von Joanna Drake hat gezeigt, wie wichtig es ist, diese Stärken noch enger miteinander zu verbinden und gemeinsam weiterzuentwickeln“, sagte Beate Heinemann.
Beim Besuch des DESY Innovation Village ging es um die Verbindung von Forschung und Anwendung. Drake informierte sich über den Technologietransfer und die Unterstützung von Deeptech-Gründungen in der Science City Hamburg Bahrenfeld.
Thomas Feurer, Vorsitzender der Geschäftsführung von European XFEL, stellte die Forschungsanlage und aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen vor. Dabei ging es auch um zukünftige Perspektiven der Anlage und um neue Forschungsfelder, darunter Arbeiten mit Bezug zur Fusionsforschung. „Um ein wirtschaftliches Fusionskraftwerk bauen zu können, müssen wir genau verstehen, wie sich Materialien unter den für die Fusion nötigen enormen Drücken und Temperaturen verhalten. Dafür sind die extrem kurzen und brillanten Röntgenpulse des European XFEL wie geschaffen“, sagte Feurer.
Zum Abschluss erhielt Drake an DESYs Röntgenlichtquelle PETRA III einen Einblick in den Forschungsbetrieb und besuchte eine Experimentierstation des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie (EMBL). "Uns ist es wichtig zu zeigen, was wir machen und welchen Beitrag moderne Forschungsanlagen für Wissenschaft, Technologie und Innovation leisten. Nur durch enge europäische Kooperation bleiben wir im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig. Die Unterstützung der Europäischen Kommission ist dafür ein entscheidender Faktor“, sagte Britta Redlich, Direktorin für Photon Science bei DESY.
Zentrales Thema der Gespräche war die Frage, wie Europa vorhandene wissenschaftliche und technologische Stärken besser miteinander verbinden kann. Drake verglich dies mit einem Staffellauf: Nicht überall müssten dieselben Kompetenzen aufgebaut werden, vielmehr gehe es darum, bestehende Stärken miteinander zu verknüpfen und den Austausch zwischen Regionen, Forschungseinrichtungen und Innovationsstandorten zu erleichtern. Zugleich unterstrich sie die Bedeutung einer verlässlichen Unterstützung der Grundlagenforschung als Basis für neue wissenschaftliche und technologische Entwicklungen.
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