„KiSTE“ trainiert Studierende für Praxis

Lern-Innovation in der Medizin

Vom Intubieren am Modell über Narkoseeinleitungen im virtuellen OP bis hin zu Gesprächen mit Schauspiel-Patientinnen und -patienten: Bei einem Besuch in der innovativen Kieler Simulations- und Trainingseinheit (KiSTE) hat sich Forschungs- und Wissenschaftsministerin Dr. Dorit Stenke am Montag (3. August) angeschaut, wie intensiv die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ihre Medizin-Studierenden auf die klinische Praxis vorbereitet.

Zu Gast in der virtuellen Notaufnahme: Forschungsministerin Stenke begleitet KiSTE-Tutor Thiemo Korn bei der Narkoseeinleitung, umringt werden die beiden VR-Brillen-Träger von Studierenden und Ärzten aus dem KiSTE-Team. (Foto: Kai-Ole Nissen / MBWFK)
Zu Gast in der virtuellen Notaufnahme: Forschungsministerin Stenke begleitet KiSTE-Tutor Thiemo Korn bei der Narkoseeinleitung, umringt werden die beiden VR-Brillen-Träger von Studierenden und Ärzten aus dem KiSTE-Team. (Foto: Kai-Ole Nissen / MBWFK)

„Eine hervorragende medizinische Ausbildung verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit praktischer Erfahrung. Mit der KiSTE investiert die Medizinische Fakultät konsequent in moderne Lehre. Studierende können hier ärztliche Fertigkeiten, Kommunikation und klinische Entscheidungen unter realitätsnahmen Bedingungen trainieren“, sagte die Ministerin anlässlich ihres Besuchs. Und ergänzte: „Das alles in einem geschützten Lernraum und ohne Zeit- oder Prüfungsdruck. Das stärkt die Handlungssicherheit angehender Ärztinnen und Ärzte und kommt am Ende vor allem den Patientinnen und Patienten zugute.“

Zeitlich entzerrtes Lernen ohne Hemmungen

Seit ihrer Gründung 2023 dient die KiSTE neben der studentischen Ausbildung auch der Fort- und Weiterbildung wissenschaftlichen Personals. Im gesamten siebten Stock der alten Kinderklinik am Schwanenweg laden heute Simulationen und Trainings zur freien Teilnahme ein. An realitätsnahen Modellen können Katheder gelegt, Blutabnehmen oder Intubieren geübt werden. Hochleistungs-PCs unterstützen das Üben komplexer OP-Simulationen – etwa Tumorentfernungen in der Blase. In einer virtuellen Notaufnahme können sich Teilnehmende mit VR-Brillen ausgestattet in anderthalbstündigen Einheiten an Behandlungen verschiedener Schwierigkeitsgrade versuchen. Der Ultraschallraum lädt zum Üben an studentischen Versuchspatientinnen und -patienten ein, auch in einem klassischen Untersuchungszimmer dürfen Studierende sich ausprobieren.

Im Peer-to-Peer-Verfahren begleiten fundiert ausgebildete studentische Tutorinnen und Tutoren alle Lern-Einheiten der KiSTE. Sie geben den Teilnehmenden nicht nur Rückmeldungen, sondern senken auch deren Hemmschwelle, einmal einen Fehler zu machen oder eine vermeintlich dumme Frage zu stellen – um daraus zu lernen. KiSTE-Nutzer Niklas Raith studiert im achten Semester Medizin und ist überzeugt, hier in freundschaftlicher Atmosphäre, viel für die Berufspraxis mitnehmen zu können. „Das Angebot entzerrt für mich außerdem den zeitlichen Rahmen fürs Lernen“, ergänzt er.

Als lehrreichste KiSTE-Erfahrung schildert der Medizin-Student eine simulierte Lumbal-Punktion. Bei diesem Eingriff wird im Bereich der Lendenwirbelsäule eine dünne Nadel in den Wirbelkanal eingeführt; am echten Patienten sollte dabei kein Fehler unterlaufen – wie immer in der medizinischen Praxis. Dank des Trainings fühlt sich Niklas Raith nun gut vorbereitet.

Kommunikation und freies Üben im Fokus

Das ergänzende Kommunikationscurriculum, KommPass, das praxisnahe Situationen unter anderem mithilfe von Schauspielerinnen und Schauspielern simuliert, trainiert Studierende in Sachen strukturierte Gesprächsführung. Im Anchluss erhalten die Teilnehmenden ehrliche Feedbacks. Zugleich bekommen sie Techniken an die Hand, die sie beispielsweise im Umgang mit herausforderndem Patientenverhalten, beim Überbringen schlechter Nachrichten oder beim Zeitmanagement in Gesprächen unterstützen.

„Eines unserer zentralen Elemente ist das freie und selbstständige Üben. Damit trägt die KiSTE dazu bei, die medizinische Ausbildung praxisnah, kompetenzorientiert und patientensicher weiterzuentwickeln“, so Prof. Norbert Weiler, ärztlicher Leiter der KiSTE.

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