Patentierte Forschung der Universität zu Lübeck bildet die Grundlage für die Entwicklung eines neuartigen Therapieansatzes
Parodontose gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in der Mundhöhle. Millionen Menschen weltweit sind betroffen, ebenso zahlreiche Haustiere wie Hunde und Katzen. Unbehandelt führt die Krankheit nicht nur zu Zahnverlust, sondern erhöht auch das Risiko für schwere Folgeerkrankungen. Um eine ursächliche Therapie zu entwickeln, haben Prof. Dr. Georg Sczakiel von der Universität zu Lübeck und der Lübecker Unternehmer und Kapitalgeber Thomas Nawrocki im Mai 2025 die PAROGENA GmbH gegründet.
Das Unternehmen ist eine Ausgründung aus der Universität und baut auf zwei Patentfamilien mit insgesamt 13 Schutzrechten auf, die im Wesentlichen auf der wissenschaftlichen Arbeit von Herrn Prof. Sczakiel beruhen. Die Patentfamilien gelten für Mensch und Hund und sind international erteilt, unter anderem in Europa, den USA, China, und Japan.
Im Mittelpunkt stehen Antisense-Oligonukleotide, das sind chemisch modifizierte Nukleinsäuren, die gezielt die Bildung von Eiweißen verhindern. Das Start-up konzentriert sich auf die Entwicklung von Antisense-Oligonukleotiden gegen das Molekül ICAM-1, das eine Schlüsselrolle bei chronischen Entzündungen in der Mundhöhle spielt. Mit diesem Ansatz sollen Entzündungen effizient, nachhaltig und nebenwirkungsarm behandelt werden. Geplant sind verschiedene Darreichungsformen, von Gel und Zahnpasta bis hin zu Sprays. Erste klinische Phase-I/II-Studien sind bereits vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) genehmigt. Parallel entwickelt das Start-up Anwendungen in der Tiermedizin, insbesondere für Kleintiere, die Hunde und Katzen einschließen.
Transferkraft aus Lübeck
„Die PAROGENA GmbH ist ein Musterbeispiel für erfolgreichen Technologietransfer aus unserer Universität“, betont Prof. Dr. Moreen Heine, Vizepräsidentin Transfer und Nachhaltigkeit. „Hier wird wissenschaftliches Know-how in konkrete Produkte überführt, die für die Gesundheit von Patientinnen und Patienten von hohem Nutzen sind.“
Die Gründer Prof. Dr. Georg Sczakiel und Thomas Nawrocki sind sich mit Holger Fischer, Leiter des Referats Technologietransfer, einig, dass die hervorragende Zusammenarbeit beider Institutionen von entscheidender Bedeutung für das Gründungsvorhaben war. Die enge Verzahnung von Forschung, Unternehmertum und regionalen Partnern zeigt die Transferkraft der Universität zu Lübeck und eröffnet Perspektiven für weitere pharmazeutische und biomedizinische Entwicklungen: aus der Grundlagenforschung in die Anwendung, mit direktem Nutzen für viele Betroffene.
Auch der Präsident der Universität zu Lübeck, Prof. Dr. Helge Braun, unterstreicht die Bedeutung der Ausgründung: „Diese Ausgründung zeigt beispielhaft, wie unsere Universität Wissen in gesellschaftlichen Nutzen überführt. Aus exzellenter Forschung entstehen innovative Therapien, die Patientinnen und Patienten direkt zugutekommen und zugleich die Zukunftsfähigkeit des Standortes Lübeck stärken.“
Weitere News
Vertrauenswürdige KI-Plattform für Schleswig-Holstein startet
Am 30. September 2025 übergab Digitalisierungsminister Dirk Schrödter an der TH Lübeck Förderbescheide in Höhe von rund 780.000 Euro für das Forschungsprojekt „Big Data Trusted ...
Weiterlesen …
Uni Lübeck: Prof. Dr. Helge Braun als künftiger Präsident gewählt
Prof. Dr. Helge Braun überzeugte durch vielfältige berufliche Erfahrung und einen wertschätzenden Blick auf die Universität von außen. Insbesondere die Größe und das spezifische Profil ...
Weiterlesen …
Vier neue Exzellenzprofessuren in der Entzündungsforschung
Das innovative Förderprogramm des Landes für die medizinische Forschung an den Universitäten Kiel und Lübeck sowie am UKSH geht in die zweite Runde: Im Schleswig-Holstein ...
Weiterlesen …