Neue Wege zur Risikobewertung von Zysten der Bauchspeicheldrüse

Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert Projekt mit 2,1 Millionen Euro

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine der tödlichsten Krebsarten mit sehr schlechten Überlebenschancen. Die einzige Möglichkeit der Heilung ist eine frühzeitige Operation. Zystische Veränderungen in der Bauchspeicheldrüse, auch intraduktale papillär-muzinöse Neoplasien (IPMN) genannt, weisen ein hohes Risiko für die Entwicklung von Krebs auf und müssen deshalb regelmäßig überwacht werden. Eine genaue Risikobewertung bei Patient*innen mit IPMN kann zu einer besseren Früherkennung und Prognose von Bauchspeicheldrüsenkrebs führen.

Die Forschenden von UKSH und Uni (von links nach rechts): Dr. Kim Honselmann, Dr. Cassandra Lill, Thorben Sauer, Prof. Timo Gemoll, Prof. Ruth Deck, Dr. Eva Dazert-Klebsattel, Prof. Roman Klöckner und Prof. Nikolas von Bubnoff.
Die Forschenden von UKSH und Uni (von links nach rechts): Dr. Kim Honselmann, Dr. Cassandra Lill, Thorben Sauer, Prof. Timo Gemoll, Prof. Ruth Deck, Dr. Eva Dazert-Klebsattel, Prof. Roman Klöckner und Prof. Nikolas von Bubnoff. Es fehlen: Prof. Tobias Keck und Dr. Louisa Bolm (Foto: Elena Vogt / Uni Lübeck)

Das Projekt "Multimodal Models, Liquid Biopsy and Artificial Cohorts as Instruments for Risk-Adjusted Monitoring of Pancreatic Precancerous Lesions" (MMAIC-IPMN) nutzt nationale und internationale Datenbanken, um mit Hilfe künstlicher Intelligenz Patientenkohorten für eine verbesserte Risikobewertung und Überwachung von IPMN-Patient*innen zu erstellen. In diesem Zusammenhang werden reale Patient*innen nachgeahmt und die Simulation von Behandlungseffekten und Managementstrategien bei großen Patientenpopulationen auf kostengünstige Weise ermöglicht. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 2,1 Millionen Euro gefördert, es ist zudem für einen Zeitraum von drei Jahren bewilligt.

Große Bedeutung

„Eine große Herausforderung für die heutigen Gesundheitssysteme ist es, eine Krebserkrankung bei Patientinnen und Patienten in einem frühen Stadium zu erkennen. Vor diesem Hintergrund ist das Projekt von großer Bedeutung und wird uns auch in Zukunft neue Möglichkeiten eröffnen“, so der Projektleiter Timo Gemoll, der Professor an der Universität zu Lübeck sowie kommissarischer Leiter der Sektion für Translationale Chirurgische Onkologie und Biomaterialbanken der Klinik für Chirurgie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, ist.

Durch den Einsatz modernster molekularer Analysen, wie z. B. digitale genomische und proteomische Tests, sowie automatisierter Flüssigbiopsien, wird in dem Projekt die Risikoeinschätzung von IPMN optimiert. Diese Analyse-Methoden werden an Patient*innen angewandt, um u. a. neue, sensitive und spezifische Biomarker für die zu untersuchende Krankheit zu detektieren und in einem Schnelltest zu kombinieren. Patient*innenvertretende bringen dabei die Perspektiven der Betroffenen und ihrer Familien in die Entwicklung des Risikoscores ein.

Förderpolitische Ziele und wissenschaftliche Aufgaben

Das Konsortium MMAIC-IPMN wird im Rahmen der BMBF-Förderrichtlinie "Risikoadaptierte Krebsfrüherkennung" unterstützt. Ziel ist es, durch die Erforschung eines neuen Risikoscores die Früherkennung von Bauchspeicheldrüsenkrebs zu verbessern.

Die spezifischen wissenschaftlichen und technischen Ziele umfassen:

  • Die Vereinheitlichung bestehender Registerdatenbanken, die klinische, lebensstilbezogene, bildgebende und genetische Daten enthalten.
  • Die Entwicklung künstlicher Kohorten zur Risikobewertung und Überwachung von IPMN.
  • Die Validierung dieser künstlichen Kohorten durch umfassende Analysen an Patient*innen.
  • Die Integration von Flüssigbiopsie-Tests in die routinemäßige Überwachung mithilfe modernster Lab-on-a-Chip-Technologie.
  • Die aktive Einbindung von Patient*innenvertretenden, um die Verständlichkeit und Akzeptanz der Forschung zu gewährleisten.

Insgesamt kombiniert das Projekt MMAIC-IPMN die Vorteile künstlicher Kohorten mit fortschrittlichen, molekularen, klinischen und radiologischen Screening-Technologien. Am Ende soll ein flüssigbiopsiebasiertes Überwachungssystem für die Anwendung in Kliniken stehen, das die personalisierte Behandlung von IPMN-Patient*innen und die frühzeitige Erkennung von Bauchspeicheldrüsenkrebs ermöglicht.

Beteiligte Expert*innen und Institute

Das Konsortium besteht aus Expert*innen der Universität zu Lübeck und des UKSH aus folgenden Einrichtungen:

  • Klinik für Chirurgie (Prof. T. Keck, PD Dr. K. Honselmann, Dr. L. Bolm)
  • Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, Arbeitsgruppe Rehabilitation (Prof. R. Deck)
  • Sektion für Translationale Chirurgische Onkologie und Biobanking (Prof. T. Gemoll)
  • Klinik für Hämatologie und Onkologie (Prof. N. v. Bubnoff, Dr. E. Dazert-Klebsattel)
  • Institut für Interventionelle Radiologie (Prof. R. Klöckner)
  • Zusätzlich arbeiten Expert*innen für künstliche Intelligenz (soventec GmbH, K. Diercks) und Lab-on-a-Chip-Technologie (Hahn-Schickard-Institut für Mikroanalysesysteme, Dr. T. Hutzenlaub, Dr. P. Jülg) an dem Projekt.

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