Rückblick auf 10 Jahre Präzisionsmedizin

Was wir aus den Erfahrungen des letzten Jahrzehnts lernen können

Vor zehn Jahren legten die Schlussfolgerungen des Rates der Europäischen Union zu personalisierter Medizin für Patienten den Grundstein für eine neue Ära der Gesundheitsversorgung in Europa.

Daraus entstand auch das International Consortium for personalised medicine (IC PerMed), welches vom 26. bis 27. November 2025 das zehnjährige Jubiläum der Präzisionsmedizin und dem Bestehen des Netzwerks in Prag feierte. IC PerMed ist eine Plattform, die Forschung und Kollaboration zu Präzisionsmedizin mit über 61 internationalen Partnern fördert. Daraus entstand auch die European Partnership for Personalised Medicine (EP PerMed), die Präzisionsmedizin auf europäischer Ebene fördert und voranbringt. Beide teilen sich eine Vision: Präzisionsmedizin ist der Weg zu besserer Gesundheitsversorgung, die durch die Betrachtung des Einzelnen allen hilft.

Von der Onkologie zu einem umfassenden Selbstverständnis

In der Präzisionsmedizin hat sich in den letzten zehn Jahren viel getan. In der Onkologie feiert die Präzisionsmedizin seit Beginn große Erfolge und bietet dort bis heute große Chancen für verbesserte Therapien und Behandlungen. Mit der Zeit kamen wichtige Fortschritte in der Neurologie und Kardiologie hinzu. Inzwischen sehen wir auch Entwicklungen in der Immunologie, Endokrinologie, bei seltenen Erkrankungen sowie in der Präventions- und Infektionsmedizin. So entsteht ein immer breiteres Einsatzfeld, das die Behandlung zunehmend zielgerichtet gestaltet und uns zugleich hilft, Krankheiten immer besser zu verstehen.

Best Practice aus dem Life Science Norden: Projekt HARMONIE

Mit dem BMFTR geförderten Projekt HARMONIE (Künstliche Intelligenz zur intraoperativen Ultraschall-Lokalisierung von Markern und Tumoren nach der neoadjuvanten Therapie von Brustkrebs) mit dem UKSH, Campus Lübeck, der Echo Scout GmbH und der Universität zu Lübeck, lassen sich künftig Brusttumore noch besser operieren.

Best Practice aus dem Life Science Norden: CAR-T-Zellen

In den Reinräumen des Hamburger Biotechnologie Unternehmen Provirex wird es in Zukunft möglich sein CAR-T-Zellen für hämatoonkologische Erkrankungen auch in Deutschland und somit Point-of-Care (PoC) herzustellen. Während das UKSH als großes Versorgungszentrum im Norden die spezielle Therapie mit CAR-T-Zellen in die Anwendung bringt.

Durch fortschreitende Technologie haben wir die Möglichkeit mehr und diversifiziertere Daten zu sammeln und für die Entwicklung von Therapien zu nutzen. Auch die Biobanken erweiterten Umfang, Tiefe und Nutzbarkeit ihrer Daten stetig. Gemeinsam mit der Integration von Multi-omics bieten sie damit eine zentrale Grundlage für präzisere Diagnosen, individualisierte Therapien und schnellere biomarkerbasierte Forschung. Auch Patient:innen wurden über die Zeit stärker in die Behandlung involviert und dadurch ermächtigt.

Vernetzung als Schlüssel für die Zukunft der Präzisionsmedizin

Zentrale Voraussetzung für diese Fortschritte ist es die Forschung durch Zusammenarbeit aus Wissenschaft und Industriepartner in die Anwendung zu bringen. Nur durch Kollaboration können Forschungsergebnisse effizient in die klinische Praxis übertragen werden und einen direkten Nutzen für die Patient:innen erzielen. Der Austausch von Wissen, Daten und Erfahrungen über Länder- und Fachgrenzen hinweg beschleunigt die Entwicklung innovativer Therapien und stärkt die Patientenorientierung der Präzisionsmedizin.

Für die Branche und Region Hamburg und Schleswig-Holstein eröffnet sich dadurch eine echte Perspektive auf Wachstum und Innovation. Mit über 500 Unternehmen aus Biotechnologie, Medizintechnik und Pharma sowie zahlreichen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Kliniken bestehen beste Vorrausetzungen für Kollaboration.

Das vom Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung und dem Land Schleswig-Holstein kofinanzierte Life Science Nord Projekt P.I.L.O.T. next level bewegt sich genau an dieser Schnittstelle von Präzisionsmedizin und Vernetzung.

Für die Zukunft bleibt die Aufgabe, weiter zu forschen, zu entwickeln und gemeinsam daran zu arbeiten, die Gesundheitsversorgung für alle zu verbessern.

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