Verleihung des Dr. Martini-Preises 2024

Herausragende medizinische Forschungsarbeiten wurden ausgezeichnet

Der älteste Medizinpreis Deutschlands ist heute an die drei Wissenschaftler:innen Dr. Joseph Tintelnot, Dr. Britta Zecher und Dr. Nico Gagelmann des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) verliehen worden. Die mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Auszeichnungen wurden von Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank und Prof. Dr. Ansgar W. Lohse, Vorsitzender des Kuratoriums der Dr. Martini-Stiftung und Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE, überreicht.

(vorne, v.l.) Eva-Maria Greve, Dr. Nico Gagelmann, Dr. Britta Zecher, Dr. Joseph Tintelnot, Wolfgang Peter Greve, (hinten) Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank und Prof. Dr. Ansgar W. Lohse
(vorne, v.l.) Eva-Maria Greve, Dr. Nico Gagelmann, Dr. Britta Zecher, Dr. Joseph Tintelnot, Wolfgang Peter Greve, (hinten) Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank und Prof. Dr. Ansgar W. Lohse (Bild: UKE)

Der erste Preis geht an Dr. Joseph Tintelnot, II. Medizinische Klinik und Poliklinik, für seine Forschungsarbeiten zum Verständnis und der Überwindung von Therapieresistenz bei gastrointestinalen Tumorerkrankungen. Dr. Britta Zecher aus der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik erhält den zweiten Preis für ihre Forschungsarbeit zu einem Mechanismus der Immunzellaktivierung bei der seltenen Lebererkrankung Primär Sklerosierende Cholangitis (PSC). Der dritte Preis geht an Dr. Nico Gagelmann, Interdisziplinäre Klinik und Poliklinik für Stammzelltransplantation, für seine Forschungsarbeiten zur molekularen und personalisierten Charakterisierung der Myelofibrose im Rahmen der allogenen Stammzelltransplantation.

„Mit der Förderung des medizinischen Nachwuchses gestalten wir die Medizin der Zukunft. Die drei Arbeiten, die in diesem Jahr mit dem Dr. Martini-Preis ausgezeichnet werden, liefern bedeutende Beiträge zur Erforschung von Krebs-, Leber- und Knochenmarkserkrankungen. Die prämierten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zeigen uns eindrucksvoll, wie die Spitzenforschung am UKE jeden Tag dazu beiträgt, unser Verständnis zu Krankheitsverläufen, Diagnostik und Therapie weiter zu schärfen. Damit tragen sie nachhaltig dazu bei, die medizinische Versorgung weit über Hamburgs Grenzen hinaus zu stärken. Ich danke der Preisträgerin und den Preisträgern für ihre wichtige Arbeit und gratuliere herzlich zu der verdienten Auszeichnung!“, sagt Katharina Fegebank, Senatorin für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke.

„Es ist eine große Freude, unseren wissenschaftlichen Nachwuchs mit dem ältesten Medizinpreis Deutschlands auszeichnen zu dürfen. Ein Preis, der bereits 1880 von ärztlichen Kollegen und Hamburger Kaufleuten gestiftet wurde und der den exzellenten Forschungsgeist und das Engagement unserer drei diesjährigen Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler hervorhebt und belohnt. Ein großer Dank geht auch an die Spenderin des Preisgeldes des Dr. Martini-Preises 2024, Eva-Maria Greve, für ihre großzügige Unterstützung“, sagt Prof. Dr. Ansgar W. Lohse, Vorsitzender des Kuratoriums der Dr. Martini-Stiftung und Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE.

Erster Preis für neuen Forschungsansatz in der Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs

Dr. Joseph Tintelnot konnte eine Verbindung zwischen einem von Darmbakterien gebildeten Stoffwechselprodukt (Metabolit, Indol-3-Essigsäure) und dem Ansprechen auf Chemotherapien bei Bauchspeicheldrüsenkrebs nachweisen. Er fand unter anderem heraus, dass sich hierdurch die metabolische Funktion von Tumorzellen verändert. Durch diese metabolische Veränderung wurde das Wachstum der Tumorzellen während der Therapie gestoppt. Ebenso konnte er in präklinischen Modellen nachweisen, dass das Stoffwechselprodukt durch Ernährungsveränderung beeinflussbar ist und so das Therapieansprechen verbessert werden kann. Diese Ergebnisse können zu einer Erneuerung der Forschungsausrichtung beitragen, um neue Therapieansätze bei Bauchspeicheldrüsenkrebs zu entwickeln.

Zweiter Preis für Erforschung der Immunzell-Aktivierung bei der seltenen Lebererkrankung Primär Sklerosierende Cholangitis (PSC)

Dr. Britta Zecher entschlüsselte einen Mechanismus, der bei Patient:innen mit PSC zur Krankheitsentstehung führen kann. Im Rahmen ihrer Forschungsarbeit entdeckte sie eine neue Risikogenvariante für die bisher unzureichend verstandene Entstehung dieser seltenen Lebererkrankung. Menschen, die diese Genvariante in sich tragen, haben ein erhöhtes Risiko für eine Aktivierung von Immunzellen als natürliche Killerzellen und infolge dessen für chronische Entzündungsreaktionen. Ein besseres Verständnis dafür, wie Immunzellen den Krankheitsverlauf der PSC beeinflussen, könnte zur Entwicklung von innovativen Therapieansätzen bei PSC beitragen.

Dritter Preis für die molekulare und personalisierte Charakterisierung der Myelofibrose im Rahmen der allogenen Stammzelltransplantation

Die insgesamt vier wissenschaftlichen Arbeiten von Dr. Nico Gagelmann befassen sich mit Risikofaktoren und therapeutischen Möglichkeiten der allogenen Stammzelltransplantation als bisher einzige Heilungsoption von Patient:innen mit der seltenen Knochenmarkserkrankung Myelofibrose. Auf Datenbasis einer großen internationalen Studie konnte er erstmalig zeigen, dass einzelne genetische Veränderungen wesentlichen Einfluss auf die Prognose nach einer Stammzelltransplantation haben. Auf dieser Grundlage könnte gemäß der individuellen molekularen Genetik des Betroffenen die Intensität der vorbereitenden Konditionierungstherapie und die Nachsorge nach einer Stammzelltransplantation angepasst werden. Dies könnte insbesondere zur Minimierung des Rückfallrisikos bei der Erkrankung beitragen.

Visionäre Förderung von medizinischem Nachwuchs seit 1880

Die Dr. Martini-Stiftung wurde 1880 von Freunden und Kollegen des im gleichen Jahr verstorbenen Chirurgen Dr. Erich Martini ins Leben gerufen. Der Dr. Martini-Preis – Deutschlands ältester Medizinpreis – ist von der Hamburgischen Stiftung für Wissenschaften, Entwicklung und Kultur Helmut und Hannelore Greve mit 10.000 Euro dotiert und wird jährlich verliehen.

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