Weiterer Wachstumsschub beim BNITM

Übergreifendes Zentrum soll mit digitalen Technologien und Datenstrukturen die Infektionsforschung vorantreiben

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) stellt seine Forschung umfassend auf digitale Füße: Von 2025 an wird es das Zentrum „Computational Sciences for Pathogen Research and One Health“ aufbauen. Es wird alle Forschungssektionen einbeziehen und mit zwei Professuren ausgestattet sein. Zuvor hatte die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern grünes Licht für die Finanzierung durch die Leibniz-Gemeinschaft gegeben. Das BNITM hatte erst kürzlich eine neue Sektion „Implementationsforschung“ aufgebaut.

© BNITM / KI-generiert mit Adobe Firefly

Die Infektionsforschung boomt, auch dank modernster Computer-Technologien: Sie ermöglichen es, noch viel tiefer als bisher in verschiedenste Bereiche dieser Disziplin vorzudringen. So kann die Bioinformatik mit neuen Software-Programmen, digitalen Anwendungen und Künstlicher Intelligenz Studienergebnisse und -daten in deutlich größerem Umfang aufbereiten, nutzen und zur Verfügung stellen.

Auch am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) findet Wissenschaft längst computergestützt statt. Jürgen May, Leiter des Tropeninstituts, ist überzeugt, „dass Computertechnologien und Datenstrukturen in allen unseren bestehenden Forschungssektionen wesentlich sind, um Studienergebnisse nachhaltig auszuwerten und zu nutzen“. Nur so lasse sich die wissenschaftliche Entwicklung vorantreiben; nur so könne das BNITM seine Vorreiterrolle in der Tropen- und Infektionsmedizin weiter ausbauen.

Ende 2023 stimmte die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Ländern der Förderung zu. Somit kann das BNITM ab 2025 stufenweise das neue Zentrum „Computational Sciences for Pathogen Research and One Health” aufbauen.

Es wird aus zwei Hauptbereichen bestehen: „Structure and Dynamics of Proteins“ und „New Generation Bioinformatics for Pathogens and One Health”. Für deren Leitung plant das BNITM, gemeinsam mit weiteren Partnern am Standort je eine gemeinsame Professur einzurichten. Das virtuelle Zentrum dockt an alle fünf Forschungssektionen des Instituts an (Pathogen, Interface, Patient, Population, Implementation). Gemeinsam mit ihnen erarbeitet es unter anderem innovative computerbasierte Lösungen, wie sich selbstgewonnene Primärdaten und verfügbare Datensätze zusammenführen, analysieren und für große ganzheitliche Studien nutzen lassen. Gerade bei den vernachlässigten Tropenkrankheiten (NTDs) ist eine Zusammenführung vorhandener Studiendaten aufgrund mangelnder Ressourcen oft nicht möglich.

In den Innovationsbereichen geht es zum Beispiel um Bioinformatik der Krankheitserreger, Struktur und Dynamik von Proteinen, Analyse und Modellierung von Erreger-Wirt-Interaktionen, Digital One Health und Software- beziehungsweise App-Entwicklung. Für Medikamenten- und Impfstoffstudien oder auch Implementationsvorhaben sind KI-gestützte Probandenbefragungen denkbar. Für die Aus- und Fortbildung eigener und externer Wissenschaftler:innen und Kooperationspartner sollen Software-Module, digitale Fernkurse und Trainings-Anwendungen für den Präsenzunterricht entwickelt werden. Und schließlich will das BNITM den Aufbau eines innovativen Instituts an einer etablierten universitären Partnerinstitution in Sub-Sahara-Afrika unterstützen.

Insbesondere in Afrika fehlen Kapazitäten für die Analyse komplexer Datensätze zu Infektionskrankheiten im One-Health-Kontext. Ein „African Institute for One Digital Health“ soll dazu beitragen, weitere Forschungskapazitäten für klinische und epidemiologische Studien in endemischen Regionen aufzubauen. Dafür ist die Gründung einer entsprechenden Partner-Institution inklusive eines Ausbildungszentrums geplant. Dieses Institut soll die Teilhabe der afrikanischen Partner an der Analyse und Verwertung großer Studiendatensätze entscheidend verbessern.

Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin und Senatorin für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke Hamburg: „Das Digital-Zentrum wird der tropenmedizinischen Forschung am BNITM einen spürbaren Wachstumsschub geben, der weit über Hamburg hinaus wirkt. Dank der geplanten Kooperation mit weiteren Partnern vor Ort wird es auch die Infektionsforschung in Hamburg stärken. Die Digitalisierung der Forschungsinfrastrukturen kann zudem ein großer Pluspunkt im aktuellen Wettbewerb der Exzellenzstrategie sein. Ich danke den Beteiligten und wünsche dem BNITM viel Erfolg beim Aufbau des neuen Zentrums!“

Prof. Dr. Jürgen May, Vorstandsvorsitzender des BNITM: „Forschungsdaten sind die Währung unserer Arbeit. Besonders für die Erforschung und Bekämpfung armutsassoziierter Erkrankungen sind sie zu kostbar, um sie nur für kleine Einzelstudien zu nutzen. Mit dem neuen Digital-Zentrum integriert das BNITM Computational Science konsequent in Forschung, Lehre und Anwendung. Dabei schafft es auch neue Brückenköpfe zu anderen Partnerinstitutionen wie der Universität Hamburg oder Partnern in Afrika.“

Für den neuen Querschnittsbereich veranschlagt das BNITM einen Gesamtmittelbedarf von ca. drei Millionen Euro pro Jahr. Als Leibniz-Einrichtung mit Expertise im Management infektionsbezogener Forschungsdaten strebt das BNITM an, über das Zentrum generierte Informationen und Erfahrungen mit anderen Leibniz-Instituten, Forschungsverbünden, Netzwerken und Arbeitskreisen zu teilen und Synergien zu nutzen. Dabei fühlt sich das Institut den FAIR-Prinzipien zur Förderung von OpenData und OpenAccess verpflichtet: findable (auffindbar), accessible (zugänglich), interoperable (kompatibel), reusable (wiederverwendbar).

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