Netzhautchip ermöglicht blinder Patientin wieder Sehen
Die Klinik für Augenheilkunde am Campus Lübeck hat weltweit erstmals seit der Zulassung im Juli einen Netzhautchip zur Behandlung einer aufgrund geographischer Atrophie erblindeten Patientin implantiert. Damit eröffnen sich neue therapeutische Möglichkeiten für eine der häufigsten Ursachen von Erblindung in Deutschland.
Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, ist eine 80-jährige erblindete Patientin weltweit zum ersten Mal mit einem Netzhautchip behandelt worden, der ihr die Sehfähigkeit teilweise zurückgeben kann. Mit dem innovativen Netzhautimplantat gibt es eine neue wirksame Therapie für Patientinnen und Patienten mit geographischer Atrophie, einer fortgeschrittenen Form der trockenen altersbedingten Makuladegeneration (AMD). AMD ist die häufigste Erblindungsursache in Deutschland. Über eine Million Menschen sind hierzulande betroffen.
Die Patientin Gisela Sudhop litt seit über einem Jahrzehnt an AMD: Die lichtempfindlichen Sehzellen in der Makula – im Bereich des schärfsten Sehens auf der Netzhaut – waren abgestorben. Gesichter und Details zu erkennen oder zu lesen war nicht mehr möglich. In einer hochspezialisierten OP setzten Klinikdirektor Prof. Dr. Salvatore Grisanti und sein Team ihr den nur zwei mal zwei Millimeter großen Chip unter die Netzhaut ins Auge ein. Dort übernimmt er künftig die Aufgabe der lichtempfindlichen Sehzellen. Dabei funktioniert der Chip in Kombination mit einer Spezialbrille, die für die Patientin angepasst ist: Die Brille mit eingebauter Mikrokamera sendet Bildsignale und Energie an den Chip, der damit die noch vorhandenen Nervenzellen der Netzhaut aktiviert. Auf diese Weise kann das Gehirn wieder visuelle Eindrücke wahrnehmen. Nach dem Eingriff muss die Patientin das Sehen im Rahmen eines intensiven Rehabilitationstrainings allerdings erst wieder erlernen.
„Als ich die Anfrage der Klinik bekam, ob ich zur OP bereit bin, habe ich nicht gezögert. Die Chance, einen ganz wesentlichen Teil meines Sehvermögens zurückzubekommen, grenzt für mich an ein medizinisches Wunder. Ich danke dem UKSH und der Augenklinik für diese besondere Leistung und den fürsorglichen Umgang mit mir“, sagt Gisela Sudhop.
Neue Technologie als große Chance für Patientinnen und Patienten
„Wir freuen uns sehr, dass wir den weltweit ersten Eingriff dieser Art nach der Zulassung des Chips erfolgreich durchführen konnten“, sagt Prof. Dr. Salvatore Grisanti. Durch die bislang verfügbaren Therapien lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung teilweise verlangsamen, aber nicht umkehren. Die neue Technologie sei deshalb ein echter Meilenstein in der Augenheilkunde und eine große Chance für viele Patientinnen und Patienten. „Unsere Patientin erfüllte alle medizinischen Voraussetzungen für die OP und ist darüber hinaus besonders motiviert – ihr größter Wunsch ist es, wieder lesen zu können. Wir erwarten, dass sie durch den Chip eine Lesefähigkeit von mittelgroßen Buchstaben erreichen wird“, so Prof. Grisanti.
Die Implantierung des Netzhautchips zählt zu den anspruchsvollsten Operationen in der Augenheilkunde und kann weltweit nur an wenigen spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Zuvor war die Wirksamkeit des Implantats im Rahmen einer internationalen Zulassungsstudie nachgewiesen worden, an der das Team der Klinik für Augenheilkunde maßgeblich beteiligt war. Im Juli 2026 wurde der Netzhautchip „PRIMA“ für die reguläre Krankenversorgung in Europa zugelassen. Die Klinik für Augenheilkunde wird auch die Weiterentwicklung dieses innovativen therapeutischen Ansatzes intensiv begleiten.
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