SLAS Europe 2025: So war die Premiere in Hamburg

SLAS Europe 2025: So war die Premiere in Hamburg

Vom 20.-22. Mai fand die SLAS Europe Conference and Exhibition zum ersten Mal in Hamburg statt – und das mit Erfolg: Mit mehr als 1.700 Teilnehmenden und 137 Ausstellern stellte die von der Society for Laboratory Automation and Screening (SLAS) organisierte Veranstaltung neue Rekorde auf und übertraf alle bisherigen europäischen Ausgaben. Das dürfte vor allem Philip Gribbon freuen, Standortleiter des Fraunhofer ITMP Hamburg, der als SLAS-Präsident die diesjährige Konferenz eröffnete. Er hatte sich im Vorfeld dafür eingesetzt, dass die Hansestadt zum langfristigen europäischen Standort gewählt wurde (wir berichteten).

Die wachsende Bedeutung von Künstlicher Intelligenz und datengesteuerten Systemen in der Arzneimittelforschung und -entwicklung spiegelte sich in Hamburg deutlich wider: In insgesamt 40 Produktpräsentationen, Vorträgen und Pitches stellten Unternehmen neue Automatisierungstechnologien vor. Die Konferenz bot zudem vielfältige Networking-Möglichkeiten und ermöglichte den Austausch über aktuelle Entwicklungen in der Laborautomatisierung und Wirkstoffforschung. Die positive Resonanz unterstreicht Hamburgs Rolle als bedeutenden Life-Science-Standort.

Awards für die innovativsten Produktneuheiten

Besondere Aufmerksamkeit erhielten die beiden Gewinner des SLAS New Product Awards, die sich in einem Feld von sechs Finalisten behaupten konnten und für die herausragendste Produktinnovation des Jahres 2025 ausgezeichnet wurden. Die Bewertung erfolgte anhand von Kriterien wie technischer Reife, Machbarkeitsnachweis, Marktpotenzial und Innovationswirkung. Zugelassen waren nur Produkte, die innerhalb von 90 Tagen vor oder nach der Konferenz kommerziell verfügbar sind.

Einer der Preise ging an das Hamburger Start-up und Life Science Nord-Mitglied mo:re GmbH, das auf der SLAS erstmals sein automatisiertes Mo:bot-System präsentierte. Die Technologie ermöglicht die vollautomatisierte Kultivierung und Analyse menschlicher Organoide – im Labor gezüchtete Nachbildungen menschlicher Organe, die insbesondere in der frühen Phase der Arzneimittelentwicklung eingesetzt werden. „Unsere Plattform aus Laborroboter und Software ersetzt Tierversuche durch KI-gestützte Kultivierung von Krankheitsmodellen, an denen neue Wirkstoffe standardisiert und im Hochdurchsatz getestet werden können“, erläuterte Geschäftsführer Lukas Gaats in Hamburg. „Dies ermöglicht die Skalierung von Experimenten ohne Beeinträchtigung der Rückverfolgbarkeit und Qualität, um die Lücke zwischen Proof-of-concept- und Industrieexperimenten zu schließen.“

Ebenfalls ausgezeichnet wurde das britische Unternehmen Wildcat Laboratory Solutions für seine recyclingfähigen „2D Tube Racks“, die den Kunststoffverbrauch und die Umweltbelastung in der Laborausstattung deutlich reduzieren sollen.

Auszeichnung für vielversprechendstes Start-up

Der SLAS Ignite Award zeichnet das überzeugendste Start-up oder junge Unternehmen aus, das seine Innovation im speziell eingerichteten Innovationsbereich „AveNEW“ der Messe präsentiert.

Die von der SLAS ausgewählten AveNEW-Aussteller wurden von einer Jury anhand verschiedener Kriterien – darunter Marktstrategie, Wachstumspotenzial, Finanzierungspläne, Marktrelevanz sowie ein ausgewogenes Führungsteam – bewertet. Der Gewinner Oryl Photonics SA aus der Schweiz setzte sich gegen fünf weitere Finalisten durch und erhielt ein Preisgeld in Höhe von 5.000 US-Dollar. Das Start-up mit Sitz in Lausanne hat ein neuartiges Laborinstrument entwickelt, das mithilfe fortschrittlicher Lichtstreuungstechnologie die Löslichkeit von Arzneimitteln automatisiert und unter minimalem Ressourceneinsatz misst.

Besucher zwischen den Postern der SLAS Europe in Hamburg.
Quelle: SLAS

Akzente vom Frauenhofer ITMP

Schon vor Beginn der Konferenz öffnete das Fraunhofer-Institut für Translationale Medizin und Pharmakologie (ITMP) seine Labore für zwei Technologie-Showcase-Veranstaltungen in Kooperation mit Revvity Cellular Technologies. Die Workshops fokussierten sich auf den gezielten Proteinabbau. Johanna Huchting vertiefte dieses Thema in ihrem Vortrag. Ein weiterer Beitrag des Fraunhofer ITMP von Maria Kuzikov beleuchtete die Kombination von maschinellem Lernen und experimentellem Screening im Kontext des Medikamenten-Re-Purposings. Auch bei Evotec und acCELLerate fanden im Zuge der Technologie-Tour Showcases statt.

Das Institut präsentierte zudem vier wissenschaftliche Poster, wovon eins mit dem „Student Poster Award“ ausgezeichnet wurde.

Ich bin dankbar, dass wir vom Fraunhofer ITMP die Möglichkeit hatten, uns auf so vielfältige Weise einzubringen. Hamburg hat sich als idealer Austragungsort für die SLAS Europe erwiesen – wir freuen uns schon auf 2027, wenn die SLAS Europe erneut in unsere Stadt zurückkehrt.

Philip Gribbon mit Blick auf übernächstes Jahr

2026 findet die SLAS Europe in Wien vom 19.-21. Mai statt.

Beitragsbild: Philip Gribbon, Präsident der Society for Laboratory Automation and Screening (SLAS) für das Jahr 2025, bei der Eröffnungsrede. Quelle: SLAS

Text: Lea Holzamer

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