Hört man DESY, denkt man an Grundlagenforschung. Und dafür ist das Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY mit seinen Standorten in Hamburg und Zeuthen bei Berlin weltweit bekannt. Forschende aus dem In- und Ausland analysieren hier unter Anwendung von extrem intensivem und gebündeltem Röntgenlicht (sogenannte Synchrotronstrahlung) die kleinsten Bausteine der Materie oder suchen nach neuen Ansatzpunkten für innovative Medikamente.
Gegründet im Dezember 1959 und finanziert mit öffentlichen Mitteln, geht das Forschungszentrum, das zur Helmholtz-Gemeinschaft gehört, aber auch den nächsten Schritt: Aus den Forschungsergebnissen sollen innovative Lösungen für die Industrie werden und das möglichst schnell. Eine engere Verzahnung von Wissenschaft und Industrie ist dafür unumgänglich.
Vermittler zwischen den Welten
Dieser Aufgabe hat sich Dr. Falko Brinkmann verschrieben. Er ist seit Juni als Chief Technology Officer (CTO) des DESY für Innovation und Techtransfer zuständig. Der promovierte Physiker kennt wissenschaftliche Einrichtungen aus seiner Forschungszeit, greift aber für seine neue Rolle auf über zehn Jahre in Beratung und Industrie zurück. So hatte er unter anderem beim Laborgerätehersteller Eppendorf verschiedene Positionen im Innovations- und Strategieumfeld inne und wurde anschließend Interimsgeschäftsführer der Transfer- und Innovationsagentur Hamburg Innovation GmbH. Außerdem gründete er verschiedene Start-ups im Life-Science- und HealthTech-Bereich.
Ich möchte, dass Unternehmer – von Start-up über den Mittelständler bis zum Großkonzern – denken, ich muss in die Science City Hamburg-Bahrenfeld. Da sind die jungen Köpfe, die kreativen Köpfe, aber auch die Umsetzer.
Dr. Falko Brinkmann

© DESY
Brinkmann sieht sich damit nicht nur bestens vorbereitet für die Aufgaben, die vor ihm liegen, sondern auch als Vermittler zwischen den Welten: “Es gibt einen klaren Auftrag für das DESY, enger mit der Industrie zusammenzuarbeiten. Und mit der Hightech Agenda Deutschland wurde darauf ein noch größerer Fokus gelegt. Ich glaube, ich kann mit meinen Erfahrungen aus der Industrie wirklich einen maßgeblichen Beitrag dazu leisten, den Transfer aus der Wissenschaft in die Industrie zu verbessern und die beiden Parteien zusammenzuführen. Denn häufig sprechen die Beteiligten eine unterschiedliche Sprache. Das habe ich selbst kennengelernt – zum einen in der Forschungswelt, aber auch in der Industrie.”
DESY-Campus wächst
Um die Ergebnisse aus der Forschung schneller in die praktische Anwendung zu überführen, wird die vorhandene Infrastruktur am DESY weiterentwickelt und ausgebaut. Dafür stehen Mittel des Bundes und der Freien und Hansestadt Hamburg zur Verfügung.

© DESY, Daniel Altrath
Bereits im Mai wurde der Biospace im tecHHub im Innovationspark Altona eröffnet. Auf rund 215 Quadratmetern stehen modern ausgestattete Gemeinschaftslabore (bis zu S2-Laboren) zur Verfügung; ein Angebot für Start-ups, Spin-offs und Forschungsteams, die an neuen Therapeutika, Diagnostika oder Biomaterialien arbeiten. Sie erhalten hier die Möglichkeit, ihre Geschäftsideen unter realen Bedingungen flexibel und vor allem ohne hohe Investitionen zu testen.
Wir achten sehr darauf, dass die jeweiligen Parteien, die in die DESY Innovation Factory einziehen, miteinander und voneinander profitieren können in den Bereichen Materialentwicklung, Quantentechnologie und Life Science.
Der Biospace ist Teil der DESY Innovation Factory. Für das Technologie- und Gründerzentrum sind zwei Gebäude geplant, die Ende 2026 im Innovationspark Altona und 2027 auf dem DESY-Campus eröffnet werden sollen. Auf insgesamt mehr als 8.500 Quadratmetern sollen Forschung, Gründung und Wirtschaft enger verzahnt werden, damit im täglichen Miteinander von Forschenden, Gründern, Start-ups und etablierten Unternehmen neue Ideen entstehen, die gemeinsam weiterentwickelt werden und in die Praxis gelangen.
Die Wege in Hamburg sind kurz. Man kennt sich. Und das Tolle an der Science City: Alle wichtigen Stationen hier im Umkreis sind in zehn Minuten mit dem Fahrrad zu erreichen.
Den Mietern stehen neben hochmodernen Labor- und Büroräumen auch Messräume sowie moderne Werkstätten, 3D-Druck-Facilities und Co-Working-Flächen zur Verfügung, bei Bedarf mit Unterstützung von Fachpersonal. Außerdem erhalten sie Zugang zur hochkarätigen Forschungsinfrastruktur wie zum Beispiel direkten Zugang zur Röntgenlichtquelle PETRA III.
Keine Frage des Geldes
Bleibt die Frage, was das alles kosten soll. Für die Nutzung der DESY Innovation Factory ist ein Modell vorgesehen, das den unterschiedlichen Entwicklungsphasen der Unternehmen Rechnung trägt. Dazu erklärt CTO Brinkmann: “Start-ups haben je nach Entwicklungsphase unterschiedliche Voraussetzungen und Bedürfnisse. Deshalb wollen wir einen attraktiven Einstieg ermöglichen und die Unterstützung mit den Unternehmen mitwachsen lassen. Entscheidend ist, dass aussichtsreiche DeepTech-Unternehmen die richtigen Bedingungen für ihre weitere Entwicklung vorfinden.”

© DESY, Reimo Schaaf, Britta Liebaug
Leuchtturm für Europa
Aber es gibt nicht nur Platz für Forschung und Innovationsentwicklung. Wohnungen sollen entstehen und eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist in Planung. Denn in zehn Jahren soll die Science City ein Leuchtturm für Innovation sein, der Gründerinnen und Gründer aus den Life Sciences, ebenso wie Forscherinnen und Forscher aus ganz Europa anzieht. Selbst Wissenschaftler, die nicht in der Forschung arbeiten wollen, sollen hier spannende Entwicklungsmöglichkeiten sehen und Anschluss an die Industrie finden.
Text: Maren Kühr
Beitragsbild: ©DESY, Heiner Müller-Elsner