Mit Händewaschen allein ist es nicht getan: Krankenhausinfektionen sind zunehmend ein Problem. Wie kann die Hygiene im Gesundheitswesen verbessert werden? Welche innovativen und praxisnahen Lösungsansätze gibt es? Impulse dazu will das Hamburger Hygiene Symposium geben, das am 11. September seine Premiere feiert. Die Veranstaltung steht unter dem Motto „Was die Hygiene-Welt bewegt!“. Sie stellt aktuelle Entwicklungen in Hygiene, Infektionsprävention und Gesundheit ins Rampenlicht und bietet Raum zum Dialog und Netzwerken.
Krankenhauserreger und Antibiotikaresistenzen sind zwei Herausforderungen, mit denen das Personal in medizinischen Einrichtungen bundesweit zu kämpfen hat. Wie brisant das Thema ist, zeigen auch Zahlen des Robert Koch-Instituts: Demnach erkranken in Deutschland jährlich geschätzte 400.000–600.000 Patientinnen und Patienten an Krankenhausinfektionen was zu etwa 10.000 bis 20.000 Todesfällen führt.
Viele Krankenhausinfektionen – in der Fachwelt als „nosokomiale Infektionen“ bezeichnet – ließen sich jedoch vermeiden. Eine einfache, aber wirksame Maßnahme ist das regelmäßige Waschen und Desinfizieren von Händen. Damit resistente Erreger sich nicht ausbreiten und den Heilungsprozess der Patienten nicht gefährden, reicht das allein jedoch nicht aus.
Neue Impulse und praxisnahe Lösungsansätze zur Vermeidung von Krankenhausinfektionen stehen daher im Fokus des ersten Hamburger Hygiene Symposiums am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Die Veranstaltung am 11. September, initiiert vom Projekt HIHeal next level (Hygiene, Infektion & Health), einem Verbundprojekt von Life Science Nord und dem Arbeitsbereich Krankenhaushygiene des UKE, richtet sich an Hygienefachkräfte, Hygieneingenieur:innen und -Techniker:innen und an Personen, die im Gebiet der Krankenhaushygiene im pflegerischen oder ärztlichen Bereich arbeiten oder einfach fachlich interessiert sind.
Neue Phase für Vernetzung und Wissenstransfer
Mit dem Hygiene-Symposium will HIHeal eine neue Phase der Vernetzung und des Wissenstransfers einläuten und damit eine Lücke schließen, die unter anderem durch die Corona-Pandemie entstanden ist. „Im Sinne des HIHeal-Netzwerks steht das Symposium für sektorübergreifende Zusammenarbeit, die für die Infektionsprävention der Zukunft essenziell ist“, so Dr. Georg Eschenburg, Leiter des Projektes HIHeal next level und Manager Innovation & Technologies bei Life Science Nord.
Über HIHeal next level
HIHeal next level (Hygiene, Infection & Health) ist ein Verbundprojekt von Life Science Nord und dem Arbeitsbereich Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (ABKH UKE). Es vernetzt regionale Unternehmen, wissenschaftliche Einrichtungen, Politik und Kliniken auf dem Gebiet der Hygiene und Infektionsprävention. Ziel von HIHeal next level ist es das seit 2016 etablierte Innovationsnetzwerk zu stärken und weiterzuentwickeln. Das Projekt wird durch den Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) und die Freie und Hansestadt Hamburg gefördert.
Das Hamburger Hygiene Symposium wird durch das Projekt HIHeal next level organisiert und umgesetzt.
Der neue Kongress sei aber vor allem eine „ideale Plattform, um den Fortschritt in der Krankenhaushygiene voranzutreiben, die Zusammenarbeit zu fördern und die Gesundheit von Patienten und Patientinnen langfristig zu verbessern – überregional und nachhaltig“, ergänzt Dr. Judith Niesen, Wissenschaftsmanagerin im Arbeitsbereich Krankenhaushygiene (ABKH) im UKE und Projektmanagerin von HIHeal next level.
Neben Vorträgen zu aktuellen Herausforderungen in der Hygiene liefert das Symposium Einblicke in Fallballspiele aus dem Klinikalltag, bietet Raum zum Dialog zwischen Fachleuten aus Praxis und Forschung und lädt zum Netzwerken ein. „Ich wünsche mir, dass das Symposium mehr ist als nur ein weiterer Fachkongress: Es soll ein Impulsgeber und Katalysator sein – für neue Ideen, mutige Diskussionen, interprofessionelle Zusammenarbeit und konkrete Innovationen“, so Eschenburg.
Infektionen und Resistenzen wirksam bekämpfen
Antibiotikaresistenzen, multiresistente Bakterien, Pilzinfektionen, aber auch neue regulatorische Anforderungen sind nur einige Herausforderungen, die der Kongress thematisiert. Dabei geht es auch darum, wie Kliniken und Krankenhäuser Infektionen und Resistenzen bekämpfen.
Das wissenschaftliche Komitee des Symposiums
- Prof. Dr. med. Johannes Knobloch, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie, Infektionsepidemiologe und Krankenhaushygiene sowie Leiter des Arbeitsbereich Krankenhaushygiene am UKE
- Dr. med. Hanne Warnk, Fachärztin für Hygiene und Umweltmedizin bei der MEDILYS Laborgesellschaft mbH
- PD Dr. med. Tobias Kramer, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie sowie Hygiene und Umweltmedizin; ärztlicher Leiter bei LADR Zentrallabor Dr. Kramer & Kollegen
Das Hamburger Hygiene Symposium findet am 11. September 2025 am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf statt.
„Maßnahmen der Infektionsprävention sind beispielsweise ein korrektes Vorgehen bei der Händehygiene sowie der Flächendesinfektion, bei der Aufbereitung und im Umgang mit Medizinprodukten, spezielle Schutzmaßnahmen beim Kontakt mit infizierten Personen und auch die Förderung von Impfungen“, sagt Dr. Hanne Warnk, Fachärztin für Hygiene und Umweltmedizin bei der MEDYLIS Laborgesellschaft. Die langjährige Chirurgin weiß aus Erfahrung, dass nur eine „konsequente Umsetzung der Hygienemaßnahmen“ die Ausbreitung resistenter Erreger verhindern und Infektionsraten senken kann.
Auch Krankenhaushygieniker Johannes Knobloch hofft, dass der Kongress den Blick auf bisherige Hygienemaßnahmen erweitert. „Seit vielen Jahren haben wir in der Krankenhaushygiene ein Hauptaugenmerk auf die Händehygiene des medizinischen Personals gelegt und in der wissenschaftlichen Bewertung weniger die Bedeutung von unbelebten Oberflächen und Abwasserwegen in Krankenhäusern beachtet. Zukünftig sollte man auch diesen Aspekten wieder mehr wissenschaftliche Aufmerksamkeit widmen“, betont Knobloch.

Quelle: LADR
Doch auch Umweltfaktoren wie Schadstoffe stellen ein Risiko dar. „Sie können die Anfälligkeit für Infektionen verstärken oder so die Wirksamkeit von Hygienemaßnahmen beeinflussen“, betont Warnk. Dazu gehört ebenso, dass der Antibiotikaverbrauch in Kliniken und ambulanten Einrichtungen gesenkt werden muss, um die Bildung resistenter Erreger zu verhindern. „Wichtig ist hier eine intensive Schulung des Personals zur rationalen Antibiotikatherapie“.
Auch aus Sicht von Knobloch sollten künftig „Maßnahmen zur Prävention von aus der Umwelt übertragbaren Krankheitserregern möglichst zielgerichtet erfolgen“. Dafür sei ein tiefergehendes Verständnis der Bedeutung der Krankenhausumwelt für die Übertragung von Erregern essenziell.
Beim Aufspüren der Krankenhauserreger ist die Laborarbeit essenziell. Eine bewährte Methode zur Früherkennung ist beispielsweise die prospektive genomische Surveillance. „Hier werden bestimmte Bakterienisolate routinehaft mittels Next Generation Sequencing (NGS) typisiert“, erklärt PD Dr. Tobias Kramer, ärztlicher Leiter im LADR Zentrallabor Dr. Kramer & Kollegen. Kramer zufolge ist das Verfahren deutlich spezifischer und kann häufig auch schneller helfen, Ausbrüche in Einrichtungen frühzeitig zu detektieren. „Darüber hinaus testen wir aktuell die Einführung von automatisierter Surveillance für nosokomiale Infektionen, um das Klinikpersonal mit wichtigen Daten zu versorgen und bei der Überwachung zu entlasten“, berichtet der Leiter der LADR Biofocus.
Er verweist auf die zunehmende Bedeutung der „personalisierten“ oder „individualisierten“ Infektionsprävention. Um diese Entwicklung mit evidenzbasierten Maßnahmen und Interventionsstrategien zu begleiten, ist es laut Kramer wichtig, ein umfassendes Bild der Ursachen von Infektionsentstehung und Risikofaktoren, aber auch der Interaktion mit den Infektionserregern zu erhalten.

Quelle: LADR
Lösungsansätze und neue Standards für die Krankenhaushygiene
Dazu kann das Hamburger Hygiene Symposium beitragen. „Wichtig ist die Gelegenheit zum Austausch. Wir können sehr von den Erfahrungen und Lösungsansätzen aller Beteiligter profitieren und so die Hygiene im Gesundheitswesen weitervorantreiben“, sagt Kramer.
Eschenburg ist überzeugt: Hamburg als weltoffene Metropole bietet dafür nicht nur eine “exzellente medizinisch-wissenschaftliche Infrastruktur. Besonders “die Zusammenarbeit von Akteuren im Rahmen von HIHeal und die seit 2024 noch engere Kooperation zwischen Life Science Nord und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf bietet ideale Voraussetzungen für solch eine zukunftsorientierte Fachveranstaltung. „Im norddeutschen Raum fehlt bislang eine etablierte, überregionale und interdisziplinäre Plattform, die sich umfassend und praxisnah mit aktuellen Themen der Hygiene und Infektionsprävention befasst“, sagt Eschenburg.
Ich wünsche mir, dass das Symposium mehr ist als nur ein weiterer Fachkongress: Es soll ein Impulsgeber und Katalysator sein – für neue Ideen, mutige Diskussionen, interprofessionelle Zusammenarbeit und konkrete Innovationen.
Georg Eschenburg
Drehscheibe für Innovationen in der Infektionsprävention
Der nächste Hygiene Kongress wird für 2027 anvisiert – dann könnte die bisher eintägige Veranstaltung durch Fort- und Weiterbildung einen größeren Rahmen erhalten. „Langfristig möchten wir einen Ort etablieren, der neue Forschungsergebnisse, klinische Erfahrungsberichte, technologische Innovationen und sektorübergreifende Perspektiven gleichermaßen sichtbar macht“, sagt Eschenburg. „Mein Ziel ist es, eine aktive, lernende Community zu etablieren, die voneinander profitiert, gemeinsam neue Standards entwickelt und nachhaltige Kooperationen anstößt.“
Niesen hofft: „Mit einem speziellen Kongress zum Thema Krankenhaushygiene in Hamburg könnte die Bedeutung dieses Fachbereichs nachhaltig intensiviert werden und sich die Region als wichtige Drehscheibe für Innovationen im Bereich Infektionsprävention positionieren.“ Mit dem ersten Hamburger Hygiene Symposium wurde dafür der Grundstein gelegt.
Text: Beatrix Boldt
Beitragsbild: Haupteingang UKE (Wikipedia CC0)